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Online-Gedenken statt Sternmarsch

Von: Dieter Junker

Ein ökumenisches Projekt erinnert an Ende des Zweiten Weltkriegs. Dabei steht das traurige Schicksal eines jungen Hunsrückers im Mittelpunkt.

Grabstein von Wendelin Bauer auf dem Friedhof in Biebern. Foto: Dieter Junker

Biebern. Eigentlich sollte es eine ökumenische Sternwanderung von Kisselbach und Riegenroth auf den Schönenberg werden. Als „Schritte auf dem Weg des Friedens“, mit Impulsen und einer Andacht zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren. Doch das Corona-Virus verhinderte diese Pläne. Stattdessen wird es nun eine Friedensandacht im Netz geben, ein Gebet für den Frieden, mit dem an das Ende des Zweiten Weltkrieges erinnert wird. Es ist ein gemeinsames Projekt der Frauenarbeit im Kirchenkreis, des Dekanates Simmern-Kastellaun und der Gemeindepädagogik im Kirchenkreis Simmern-Trarbach.

Im Mittelpunkt des Friedensgebetes steht dabei das Schicksal von Wendelin Bauer aus Külz. Der damals gerade 18 Jahre junge Mann war Ende März in der Nähe von Frankfurt am Main als Deserteur erschossen worden. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen war der junge Hunsrücker als Flakhelfer im Einsatz, als ihn im März 1945 sein Kommandeur zusammen mit einem anderen, heute unbekannten Jugendlichen, heimschickte. Die beiden gelangten zu Fuß bis an den Rhein, als sie bei Aßmannshausen von einem fanatischen Nationalsozialisten an die dortige SS-Einheit verraten wurden.

Obwohl auf der anderen Rhein-Seite schon die Alliierten zu sehen waren und im Hunsrück der Krieg bereits geendet hatte, wurden die beiden Jugendlichen nach Bad Soden gebracht, wo sie ein Standgericht zum Tode verurteilte. Der Leichnam des jungen Hunsrückers, der nur wenige Tage nach seinem 18. Geburtstag sterben musste, wurde in seinen Heimatort überführt und auf dem Friedhof in Biebern unter großer Anteilnahme der Bevölkerung bestattet. Dort ist noch heute in der Friedhofsmauer der Grabstein zu sehen. In Bad Soden erinnert eine Gedenktafel an das Schicksal der beiden jungen Männer.

„Es ist uns wichtig, durch das Erinnern persönlicher Schicksale den Unsinn von vielen Taten und Opfern aufzuzeigen und auch an die jüngeren Generationen weiterzugeben“, betont Susanne Reuter, die Frauenreferentin des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach, eine der Initiatorinnen des ökumenischen Gedenkprojekts. Und darum sei es notwendig, am 8. Mai den Schrecken des Krieges zu gedenken und zum Frieden zu mahnen.

In der evangelischen Kirche in Biebern soll bei dieser Online-Andacht an das Schicksal von Wendelin Bauer erinnert werden, es werden Gebete und Psalmen gesprochen, Superintendent Hans-Joachim Hermes wird eine kurze Predigt halten. Mitwirkende sind neben dem Superintendenten und Frauenreferentin Susanne Reuter auch die Pastoralreferentin im katholischen Dekanat Simmern-Kastellaun, Hildegard Forster, die beiden Gemeindepädagogen Beate Jöst und Tobias Hauth sowie Presbyterin Renate Petry von der evangelischen Kirchengemeinde Neuerkirch-Biebern-Alterkülz. Musikalisch umrahmt wird das Gedenken vom Kantor des Kirchenkreises, Joachim Schreiber.

Der Link zu dem Online-Gedenken wird hier auf der Homepage ab dem 8. Mai zu finden sein.


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