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Sexualisierte Gewalt geht alle an

Ein Workshop in Büchenbeuren informierte Frauen über sexualisierte Gewalt in Beruf, Gesellschaft und Familie.

Sexualisierte Gewalt in Beruf, Gesellschaft und Familie war das Thema eines Nachmittages in Büchenbeuren zu dem die Frauenreferentin im Kirchenkreis, Susanne Reuter, der Frauengesprächskreis Ober Kostenz, der Frauennotruf des Rhein-Hunsrück-Kreises und Mitglieder der ev. Kirchengemeinden Büchenbeuren und Sohren eingeladen hatten.

Anlass war die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Tamar, wie sie im 2. Buch Samuel, Kapitel 13 beschrieben wird. Ein Schattenspiel brachte diese wenig bekannte Bibelstelle eindrücklich nah: Der Halbbruder Amnon begehrt seine schöne Schwester Tamar. Durch einen ruchlosen Plan lockt er sie in sein Zimmer und vergewaltigt sie. Das zeigte allen, wie uralt und ewig aktuell dieses Thema ist.

Nach der Begrüßung durch Susanne Reuter wies Astrid Rund vom Frauennotruf darauf hin, dass 11 Prozent aller Frauen über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz berichten. Eine erschreckend hohe Zahl, die zeigt, wie wichtig und allgegenwärtig dieses Thema ist. 

Ein Dokumentarfilm des WDR aus dem Jahr 2019 von Nicole Rosenbach zeigte die Geschichten dreier Frauen, die völlig unvorbereitet sexuelle Gewalt erlebten, von Männern, denen sie bisher vertraut hatten. Eindringlich wurde dargestellt, wie sich das Leben dieser drei mutigen Frauen veränderte, die Anzeige gegen die Täter erstattet hatten; wie sie den jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit und Anerkennung ihres Leides nur mit Hilfe von Familie, Freunden oder Partnern bestehen konnten. Sie erfuhren soziale Ausgrenzung, oder man schenkte ihnen keinen Glauben, weil kaum einer Stellung gegen die Täter beziehen wollte. Die Hilflosigkeit, die Wut und Verzweiflung, der Verlust von Selbstwert und Selbstbewusstsein kamen in dem Film ergreifend zum Ausdruck. 

So war es gut, dass anschließend viel Raum und Zeit zum gemeinsamen Austausch bei Kaffee und Tee eingeplant war.  

Im Anschluss konnten die Teilnehmerinnen ihren Gefühlen in einem kreativen Workshop, geleitet von Pfarrerin Marie Jaske-Steinkamp, Ausdruck verleihen oder unter Anleitung von Susanne Reuter (Eutonielehrerin) die eigenen Grenzen wahrnehmen. 

Begleitet wurde der Nachmittag von einem informativen Büchertisch.

Trotz des ernsten, bewegenden Themas endete der Workshop mit einem gemeinsamen Tanz und einem Segenslied.   

Zum Ausklang waren die Teilnehmerinnen zu einem Gottesdienst eingeladen, der die Thematik des Nachmittages noch einmal aufgriff und deutlich machte, dass Gott sich um „die zerbrochenen Herzen“ kümmert (Psalm 147,3). Gestärkt durch gemeinsame Lieder und Gottes Zuspruch machten sich die Teilnehmerinnen auf den Heimweg, in der großen Hoffnung in weiteren Veranstaltungen Menschen dafür zu sensibilisieren, sich dieses Themas anzunehmen und die Botschaft weiter zu tragen, dass sexualisierte Gewalt kein Kavaliersdelikt ist, das man vertuschen darf.

Alle sind aufgefordert, mutig diesen verletzten Frauen zur Seite zu stehen.

 


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