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Rekowski: Antisemitismus entschieden entgegentreten

Von: Dieter Junker

Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, predigte zum Reformationstag in Simmern. Und machte dabei deutlich: Antisemitismus und christlicher Glaube sind nicht vereinbar.

Der Präses auf der Kanzel der Stephanskirche in Simmern. Foto: Dieter Junker

Simmern. Christen seien aufgefordert, Antisemitismus entschieden entgegenzutreten und die eigenen jüdischen Wurzeln nicht zu vergessen. Dies betonte Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, beim Gottesdienst zum Reformationstag in der Stephanskirche in Simmern. „Wir können niemals Kirche der Reformation sein, wenn wir unsere alttestamentlichen Wurzeln verleugnen, wenn wir als christliche Kirche das erwählte Volk Gottes verdrängen oder wenn wir meinen, wir wären an seine Stelle getreten“, machte der Präses deutlich.

„Wenn heutzutage in unserem Land wieder Synagogen angegriffen werden und Menschen, die sich offen zum jüdischen Glauben bekennen, auf unseren Straßen angespuckt werden, dann sollten wir die ersten sein, die öffentlich widerstehen und widersprechen“, forderte Manfred Rekowski in seiner Predigt. Dem entgegenzutreten, sei Christenpflicht und gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit, machte der Präses deutlich. Und er betonte: „Wir als Evangelische Kirche im Rheinland stehen an der Seite der jüdischen Gemeinden. Nie wieder darf Antisemitismus, der mit Worten beginnt und mit Untaten endet, seine zerstörerische und menschenverachtende Wirkung entfalten.“

Gerade am Reformationstag erinnere sich die evangelische Kirche aber auch „voller Scham daran, wie Martin Luther die Juden gedemütigt und sie der Verfolgung preisgegeben“ habe. „Auch der Antijudaismus gehört zum schweren Erbe der Reformation“, mahnte der Präses in seiner Predigt in Simmern.

Wo immer Jüdinnen und Juden zu Opfern würden, nehme auch die Gesellschaft Schaden, war Manfred Rekowski überzeugt. Der Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober habe die traurige Aktualität dieser Aussage gezeigt. Hier seien Christen aufgefordert, an die Seite des jüdischen Volkes zu treten. „Ohne Solidarität mit dem Volk Gottes der ersten Wahl haben wir keinen Zugang zu dem Gott, dessen Stimme wir heute hören wollen“, so der Präses.

Zu den Erkenntnissen der Reformation, die die evangelische Kirche feiere, gehöre aber ebenso auch die Erkenntnis, dass auf den Gott Israels, den Vater Jesu Christi, Verlass sei. „Reformation heißt deshalb immer: Vor all dem, was wir tun können und zu tun haben, steht, was Gott für uns getan hat. Wir leben nicht von dem, was wir schaffen oder geschafft haben. Und wir sterben nicht an dem, was uns misslang oder woran wir gescheitert sind“, betonte der Präses. Und das bedeute: „Wir sind geliebter als wir wissen und als Menschen es uns zeigen können. Wir sind nicht allein, wir sind nie allein. Auf diesen Gott dürfen wir unser ganzes Vertrauen setzen“, so Manfred Rekowski.

Es war ein feierlicher Gottesdienst zum Reformationstag in Simmern, in dem der Präses predigte. Vor der Predigt gab es ein beeindruckendes Stück der Theatergruppe Simmern unter der Regie von Rixa Wiederspahn-End zu sehen mit Szenen aus dem Reformationsgeschehen. Kantor Joachim Schreiber und das Blockflötenensemble FlautisSIMo gestalteten den Gottesdienst musikalisch mit Musik aus der Zeit Martin Luthers.


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