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Persönliches Kennenlernen im Mittelpunkt

Von: Dieter Junker

Zwei Wochen lang besuchte eine kleine Delegation aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Botswana (ELCB) den evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach. Neben zahlreichen Informationen über das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland und im Hunsrück stand dabei vor allem das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt.

Die Gäste aus Botswana am Gedenkstein für Paul Schneider am Friedhof in Dickenschied. Mit dabei auch Karl-Adolf Scherer, ein Sohn des "Predigers von Buchenwald". Foto: Horst Hörpel

Hunsrück. Zwei Wochen lang besuchte eine kleine Delegation aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Botswana (ELCB) den evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach. Neben zahlreichen Informationen über das kirchliche und gesellschaftliche Leben in Deutschland und im Hunsrück stand dabei vor allem das persönliche Kennenlernen im Mittelpunkt. Außerdem wurde die bestehende Partnerschaftsvereinbarung überarbeitet.

„Die persönliche Begegnung in all den Tagen war wichtig und bereichernd, wir sind uns nähergekommen“, unterstreicht Beate Jöst, die Vorsitzende des Ausschusses für Mission und Ökumene (AMÖ) des Kirchenkreises, am Ende des Besuchs. Dies umso mehr, da es in den vergangenen Jahren in Botswana einige Veränderungen gab. Der südwestliche Kirchenkreis der ELCB, mit dem der Kirchenkreis Simmern-Trarbach 1983 eine Partnerschaft eingegangen war, existiert in dieser Form nicht mehr. Mittlerweile wurde er in zwei Kirchenkreise aufgeteilt, so dass hier auch neue Strukturen entstanden sind, die Auswirkungen auf die Partnerschaft haben.

Aus dem südlichen Kirchenkreis waren Dean (Superintendent) Hendrik Manyoro aus Tsabong und die ehrenamtliche Sekretärin des Kirchenkreises Alvina Debruin in den Hunsrück gekommen, aus dem westlichen Kirchenkreis die dortige Dean Onalenna Kaartze aus Kang und der stellvertretende Sekretär Olerile Kgololo. Nach dem zweiwöchigen Aufenthalt betonten sie, wie viel sie gelernt hätten über Deutschland, seine Geschichte, die Reformation, aber auch die aktuellen Probleme.

Während ihres Aufenthaltes nahmen sie am Konfirmandentag in Büchenbeuren, am Gemeindefest in Rheinböllen, am Pfarrkonvent sowie mehreren Gottesdiensten teil. Gemeinsam mit Alt-Superintendent Horst Hörpel besuchten sie die Gräber von Paul und Margarete Schneider, es gab ein Treffen mit dem früheren Dickenschieder Pfarrer Gerd Westermayer, der gemeinsam mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau zu den Wegbereitern dieser Partnerschaft gehörte. Auch gab es ein Gespräch und einen Gedankenaustausch mit der Hunsrücker Frauenhilfe, die sich ebenfalls seit Jahrzehnten in der Partnerschaftsarbeit engagiert.

Die Gäste fragten allerdings auch nach konkreten kirchlichen Projekten und besuchten gemeinsam mit Superintendent Hans-Joachim Hermes den evangelischen Kindergarten in Kirchberg. Und im Flüchtlingscafé in Büchenbeuren gab es ein Treffen mit dem ehemaligen Beller Pfarrer August von Dahl, der auch über seine Arbeit in der Friedensbewegung erzählte. Außerdem informierten sich die Besucher aus Botswana hier über die Flüchtlingsarbeit im Hunsrück.

Allerdings stellten die Gäste aus dem südlichen Afrika auch die Frage nach jungen Menschen in der Partnerschaftsarbeit. „Damit haben sie sicher einen wunden Punkt getroffen“, meint Beate Jöst, die überzeugt davon ist, dass diese Arbeit dringend jüngere Aktive benötigt. „Deshalb haben wir auch im Hinblick auf die Zukunft entschieden, dass wir nach Möglichkeiten für die Durchführung eines Jugend-Workcamps in Botswana suchen wollen“, betont die AMÖ-Vorsitzende. Daneben wurden weitere Kleinprojekte geplant, so beispielsweise eine Hühnerzucht in Kang oder die Anschaffung eines Veranstaltungszeltes, das ausgeliehen werden kann. „Ziel dabei ist, dass die Gemeinden Möglichkeiten haben, mit Projekten auch Einkommen zu erwirtschaften. Denn in Botswana gibt es keine Kirchensteuer und die Gemeinden sind so arm, dass sie die Gehälter für ihre Pfarrer nicht zahlen können“, erläutert Beate Jöst. Auch hier wolle der Kirchenkreis seine Partner im südlichen Afrika weiter unterstützen. Die überarbeitete Partnerschaftsvereinbarung wird nun in die zuständigen Gremien der Kirchenkreise gehen und dort dann beschlossen.

Seit 1983 besteht die Partnerschaft zwischen dem südwestlichen Kirchenkreis der ELCB (heute der westliche und der südliche Kirchenkreis) und dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach. Ende November 1985 besuchte eine erste Delegation aus Botswana den Hunsrück, im Sommer 1986 gab es den ersten Gegenbesuch. In den Anfangsjahren stand die Jugend- und Frauenarbeit im Mittelpunkt. Mehrere Projekte wurden umgesetzt, so das Zentrum für Frauenarbeit in Werda („Hilde-Westermeyer-Haus“), die Kirchbauten in Hereford und Kalkfontein, das Pfarrhaus in Werda oder das AIDS-Hilfe-Zentrum in Kang.


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