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"Paul Schneider ist ein Zeugnis der Ermutigung für alle Christen"

Von: Dieter Junker

Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert würdigt beim Gedenkgottesdienst in Dickenschied den "Prediger von Buchenwald". Auch der rheinische Präses Manfred Rekowski ist beim Gottesdienst dabei.

Weihbischof Franz Josef Gebert und Präses Manfred Rekowski mit Eva-Marie Vorster und Karl-Adolf Schneider von den Gräbern von Margarete und Paul Schneider. Foto: Dieter Junker

Dickenschied. Vor 80 Jahren wurde der Dickenschieder Pfarrer Paul Schneider im KZ Buchenwald ermordet. Auf dem Friedhof der Hunsrückgemeinde, wo Paul Schneider begraben liegt, wurde bei einem Gedenkgottesdienst an den „Prediger von Buchenwald“ erinnert. Daran nahmen mit Eva-Marie Vorster und Karl-Adolf Schneider auch zwei der drei noch lebenden Kinder von Paul Schneider teil.

„Das Wirken von Paul Schneider ist ein Zeugnis der Ermutigung für alle Christen“, würdigte der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert den Hunsrücker Pfarrer. Dabei sei Paul Schneider ein Zeuge, „der ohne Gewalt, aber mit großer Klarheit für die Wahrheit und die Gerechtigkeit eingetreten ist und sich dabei den Mund nicht verbieten ließ“, machte der katholische Theologe in seiner Predigt deutlich.

Manfred Rekowski, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, der ebenfalls nach Dickenschied gekommen war und an dem Gottesdienst teilnahm, bezeichnete Paul Schneider als „einen christlichen Überzeugungstäter, der sehr konsequent für sich die Entscheidung getroffen hat, Gott mehr zu gehorchen als den nationalsozialistischen Machthabern“. Für diese Haltung habe er, der als erster evangelischer Pfarrer von den Nazis ermordet wurde, einen sehr hohen Preis gezahlt. „Sein Leben ist ein beeindruckendes Zeugnis einer Überzeugung, die geprägt ist vom Glauben an Jesus Christus, der der Macht des Bösen widerstand, Grenzen überwand und zur Liebe befreite“, so der Präses 

Dabei sei es „sehr beklemmend“, wahrzunehmen, dass die damalige Kirchenleitung im Fall Paul Schneider getan habe, was der Staat von ihr erwartete, meinte Präses Rekowski. Der Hinweis auf den seit November 1937 ununterbrochen andauernden Aufenthalt im Konzentrationslager sei dabei sogar als Begründung für Schneiders Versetzung in den Wartestand angeführt worden.

Das Reich Gottes sei nahe, mit dieser klaren Botschaft habe Jesus Christus seine Jünger ausgesendet, betonte Weihbischof Gebert „Das ist eine Eindeutigkeit der Botschaft, gekoppelt mit einer Wehrlosigkeit, mit der sie sich auf den Weg machen. Genau wie Paul Schneider, der noch durch die Gitterstäbe seiner Zelle diese Botschaft seinen Mitgefangenen zurief und der auch die Wächter nicht entgehen konnten“, machte Gebert deutlich.

Im Lukas-Evangelium heiße es, dass der Herr seine Boten wie Schafe mitten unter die Wölfe sende, erinnerte der Trierer Theologe. Dabei schicke er seine Jünger wehrlos, aber nicht duckmäuserisch aus. „Denn diese Botschaft eröffnet Räume und gibt Kraft, sie verändert das Leben, wenn man sie denn auch annimmt“, ist Franz Josef Gebert überzeugt und betont: „Ein Beispiel für solche Zeugen ist Paul Schneider, der auch unter die Wölfe gefallen ist, der aber das Vertrauen hatte, dass Gottes Wort eine Kraft hat, die Menschen bewegen kann.“

Dies mache auch die Aktualität von Paul Schneider aus, gab der Trierer Weihbischof zu bedenken. „Wenn auch uns die Botschaft des Evangeliums bewegt, dann werden das auch andere spüren. Beim Umgang miteinander wie auch beim Umgang mit Menschen, mit denen wir uns schwertun, oder wenn wir uns streiten“, meinte Gebert in Dickenschied. Und dann würden genau wie damals zur Zeit Christi die Menschen auch heute wieder spüren, was damals als Botschaft seinen Jüngern mitgegeben worden sei: „Das Reich Gottes ist nahe!“

Es war eine große Gedenkfeier in Dickenschied. Rund 100 Menschen waren auf den Friedhof gekommen. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von den Musikvereinen aus Dickenschied und Rohrbach. Der Musikverein Dickenschied gehörte 1965 zu den Initiatoren der ersten Gedenkveranstaltung an Paul Schneider in der Hunsrückgemeinde.

Auch in Weimar, auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald, wurde an Paul Schneider in einem ökumenischen Gottesdienst erinnert. „Dass, was von Deutschland aus in der Welt und an vielen Orten in unserem Land Menschen angetan wurde, ist nicht in Worte zu fassen, es übersteigt alle Vorstellungskraft“, betonte hier die Regionalbischöfin für den Propstsprengel Gera-Weimar der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friederike Spengler. „Dass, was Menschen wie Paul Schneider erleiden mussten, ist unvorstellbar“, meinte sie und rief dazu auf, die „Zeugnisse ihres Gottvertrauens und die Zeugnisse ihrer Mitmenschlichkeit mit in unsere Zukunft zu nehmen.“

Der Dickenschieder Pfarrer Paul Schneider war 1937 verhaftet und ins KZ nach Buchenwald gebracht worden. Schon kurz nach der Machtübernahme Hitlers war er mit dem Regime in Konflikt geraten und mehrfach verhaftet worden. Im KZ Buchenwald rief er aus seiner Zelle heraus den anderen Lagerinsassen immer wieder biblische Trostworte zu, was ihn zum „Prediger von Buchenwald“ machte. Am 18. Juli 1939 wurde er vom Lagerarzt mit einer Medikamentenüberdosis ermordet und wenige Tage später unter großer Beteiligung nicht nur seiner Gemeinden, sondern vieler Menschen aus der Bekennenden Kirche und der Ökumene auf dem Friedhof in Dickenschied beigesetzt.


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