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Auf dem Weg nach Sydney

Von: Dieter Junker

Pfarrer Christian Hohl verlässt den Hunsrück und geht als Seelsorger nach Australien Am Sonntag wird er von seiner Gemeinde mit einem Gottesdienst in Sohren verabschiedet.

Pfarrer Christian Hohl mit seiner Frau Ute. Foto: Dieter Junker

Sohren. Die ersten Umzugskartons sind schon gepackt, überall stehen Kisten mit Aktenordnern, Büchern, Einrichtungsgegenständen. Es herrscht spür- und sichtbar Aufbruchsstimmung im Sohrener Pfarrhaus. Denn in wenigen Tagen wird Pfarrer Christian Hohl den Hunsrück verlassen und im fernen Australien eine neue Stelle als Seelsorger antreten.

„Es ist schon eine Traumstelle, wo ich jetzt hingehe“, meint er zum bevorstehenden Wechsel. Eigentlich war es nicht geplant, aber doch immer schon so eine Idee, nochmals im Ausland als Pfarrer tätig zu werden. „Ich war ja schon in Schottland, und es war für mich immer ein Reiz, in anderen Ländern zu sein“, erzählt Christian Hohl. Es hätte auch Windhoek sein können, weil er durch die Partnerschaftsarbeit mit Botswana und mit Namibia seine Liebe zu Afrika entdeckt hatte. „Aber dann habe ich diese Ausschreibung gesehen, mich beworben und wurde gewählt“, freut er sich. Denn Sydney ist ein Traumziel für ihn.

Die Bewerbung und die Wahl sind nun schon etwas her, und beinahe wäre der Traum dann doch nicht in Erfüllung gegangen. „Denn dann ist mir eine Frau über den Weg gelaufen“, erzählt er schmunzelnd. Doch dann war klar: Sie wird mit nach Australien gehen. Vor kurzem heiratete er seine Ute standesamtlich, im Juli ist dann noch die kirchliche Trauung.

Vor sechs Jahren war er auf den Hunsrück gekommen. Eigentlich eine Rückkehr, denn Christian Hohl stammt aus Kastellaun. „Es war schön, wieder mal Hunsrücker Platt sprechen zu können, auch die alte Heimat und Freunde wieder zu sehen“, sagt er. Vorher war er 16 Jahre Pfarrer in Saarbrücken. Der Grund der Rückkehr waren vor allem die kranken Eltern, um die er sich kümmern wollte.

Mittlerweile sind seine Eltern gestorben, die Tochter aus der ersten Ehe studiert in Heidelberg. So wurde der Gedanke an einen nochmaligen Wechsel wieder spürbar, erzählt er. Obwohl er den Hunsrück und seine beiden Gemeinden Sohren und Ober Kostenz, wo er seit 2013 als Seelsorger tätig ist, vermissen wird.

„Es war eine schöne Zeit, ich bin beeindruckt von dem großen Engagement, wie sich Menschen hier für die Kirche und ihren Glauben einsetzen. Ich werde sicher vieles vermissen“, gibt er zu bedenken. Er habe hier viele Freunde gefunden, Sohren, wo er lebte, habe er „absolut liebgewonnen“, auch sein Engagement in vielen Vereinen werde ihm fehlen, ist er überzeugt.

Doch dann freut er sich aber auch auf seine neue Tätigkeit. „Es wird ganz anders als hier auf dem Hunsrück. Die deutschsprachige lutherische Gemeinde in Sydney umfasst ein Areal, das 100 mal 100 Kilometer groß ist, mit vier Kirchen. Die Predigt wird in deutsch gehalten, danach gibt es eine Zusammenfassung in englisch“, erzählt er. Er freut sich aber auch über die vielen ökumenischen Kontakte in der australischen Stadt. „Ökumene lag mir immer schon am Herzen, hier werde ich nun mit Lutheranern aus anderen Ländern, mit Anglikanern, Presbyterianern und vielen anderen Konfessionen zu tun haben. Das wird spannend“, sagt er. Für sechs Jahre ist er gewählt, weitere drei Jahre könnten folgen. „Mal schauen, wie es wird“, ist er da noch offen.

Jetzt steht erst mal der Abschied an, im Gottesdienst in Sohren. Danach die Hochzeit und dann der Flug nach Australien, wo am 1. August sein Dienst beginnt. „Aufgeregt bin ich nicht, aber eine gewisse Spannung wie auch Vorfreude spüre ich schon“, sagt Christian Hohl.

Die Verabschiedung erfolgt im Gottesdienst am Sonntag, 30. Juni um 14 Uhr in Sohren in der evangelischen Kirche, im Anschluss daran ist ein Empfang in Lautzenhausen. Der Tag wird vom Bläserkreis, vom Gesangverein Ober Kostenz, dem Gospelchor und dem Sohrener Kirchenchor mitgestaltet.

Christian Hohl wurde 1963 in Kastellaun geboren, nach dem Abi studierte er in Oberursel, Heidelberg, Edinburgh und Bonn, es folgte ein Vikariat in Ratingen sowie ein Sondervikariat in Edinburgh, danach war er Pastor im Hilfsdienst in Baumholder. 1994 wurde Christian Hohl ordiniert, von 1997 bis 2013 war er Pfarrer in Saarbrücken-Bübingen. 2013 kam er als Pfarrer nach Sohren und Oberkostenz.


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