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Evangelische Büchereien sorgen sich um ihre Zukunft

Von: Dieter Junker

Der Kirchenkreis Simmern-Trarbach fordert von Landeskirche Alternativen zum Wegfall der Büchereifachstelle. Ansonsten befürchten die Büchereien das Aus für ihre Arbeit.

Die Bücherei "Backesschmöker" im evangelischen Gemeindehaus in Bell. Foto: Gerhard Wagner

Hunsrück. Die Evangelischen Öffentlichen Büchereien im Kirchenkreis Simmern-Trarbach machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Grund: Ende 2022 soll die Büchereifachstelle der Evangelischen Kirche im Rheinland, die bisher die ehrenamtliche Arbeit der Büchereien fachlich begleitet hat, geschlossen werden. Damit droht möglicherweise nach 2022 das Aus für die Büchereien.

„Die Arbeit unserer evangelischen Büchereien vor Ort ist zwingend an eine fachliche Begleitung gebunden“, macht der Kirchberger Pfarrer Christian Hartung deutlich. Er ist Synodalbeauftragter für die Büchereiarbeit im Kirchenkreis. Die Fachstelle sei Voraussetzung dafür, dass beispielsweise der Öffentlichkeitsstatus der Büchereien gesichert ist, dass es Aus- und Fortbildungsangebote für die Ehrenamtlichen gibt, dass Materialien für Aktionen bereitgestellt werden, aber dass die Mitarbeitenden auch Tipps und Hilfe erhalten. „Ohne das alles kann diese Arbeit kaum noch fortgeführt werden“, warnt er.

Darauf weisen auch Mitarbeitende aus den Büchereien hin. Das Team der Bücherei „Backesschmöker“ in Bell beispielsweise hat sich mit einem Hilferuf an das Presbyterium der Kirchengemeinde Zehn Türme gewandt. Die acht Mitarbeitenden weisen darin darauf hin, dass die bisherige ehrenamtliche Arbeit, die sie gerne machen, ohne eine hauptamtliche und fachliche Unterstützung nicht mehr möglich ist, da das Hintergrundwissen und die rechtliche Absicherung fehlen würden. „Daher ist die Unterstützung der Büchereifachstelle der Landeskirche für uns sehr wichtig“, heißt es in dem Schreiben.

Die Landessynode hatte 2014 im Rahmen ihrer Sparmaßnahmen die Schließung dieser Büchereifachstelle beschlossen. Eine kleine Arbeitsgruppe, der auch Christian Hartung angehört, hat seitdem überlegt, welche Alternativen es geben könnte. Doch bisher ohne Erfolg. „Der Auftrag unserer Arbeitsgruppe, ein Konzept für die zukünftige fachliche Begleitung der Ehrenamtlichen zu erarbeiten, ist nicht gelöst“, bedauert der Kirchberger Pfarrer. 

Nun soll die Landessynode dieses Thema erneut beraten, meint der Kirchenkreis Simmern-Trarbach. Auf der Kreissynode, die kürzlich in Bärenbach tagte, wurde ein Antrag verabschiedet, in dem die Landessynode aufgefordert wird, auf ihrer nächsten Tagung im Januar sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Und auch die Kirchenleitung wird vom Kirchenkreis gebeten, ein Konzept für eine künftige fachliche Begleitung der Ehrenamtlichen sowie einen entsprechenden Finanzierungsvorschlag vorzulegen. Denn eins ist für Christian Hartung klar: „Wir brauchen diese Begleitung, in welcher Form auch immer. Denn in unseren evangelischen öffentlichen Büchereien finden Menschen einen Begegnungsort, der den Dialog zwischen den Generationen, Kulturen und Religionen ermöglicht. Und damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer lebendigen Kirche und Gesellschaft.“

Im Kirchenkreis Simmern-Trarbach gibt es derzeit neun aktive öffentliche Büchereien, in Bell, Horn, Ellern, Büchenbeuren, Kellenbach, Kirchberg, Ober Kostenz, Sohren sowie in der Hunsrück-Klinik in Simmern. Hier sind derzeit 65 Ehrenamtliche tätig, die jährlich 3319 Arbeitsstunden leisten. Sie öffnen die Büchereien mehr als 615 Stunden und stehen den rund 6600 Besuchern jährlich für Gespräche zur Verfügung. Mit 143 Veranstaltungen, die von 2219 Teilnehmenden besucht werden, beleben sie die Gemeindearbeit und tragen zur Bildungsarbeit bei.


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