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Kirche will dahin gehen, wo die Menschen sind

Von: Dieter Junker

Die Kreissynode des Kirchenkreises Simmern-Trarbach diskutierte in Bärenbach über Rolle der Gemeindepädagogik. Dazu gab es viele Impulse für die Gemeinden.

Die Synode tagte im kommunalen Gemeindehaus in Bärenbach. Foto: Dieter Junker

Bärenbach. Die Kirche befindet sich im Umbruch, die Gesellschaft im Wandel. Religion und Glauben finden heute in vielen Lebenswelten statt. Der evangelische Kirchenkreis Simmern-Trarbach sieht in der Gemeindepädagogik ein wichtiges Arbeitsfeld, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Auf der Kreissynode in Bärenbach gab es dazu vielfältige Impulse.

„Kirche muss die Veränderungen in der Gesellschaft wahrnehmen und sich diesen stellen. Und Kirche muss wieder neue Bindungen zu den Menschen herstellen“, betonte Professor Dr. Gotthard Fermor in Bärenbach. Dabei brach der Leiter des Pädagogisch-Theologischen Institutes (PTI) in Bonn eine Lanze für eine umfassende und gut aufgestellte Gemeindepädagogik.

„Gemeindepädagogik muss alle Bereiche, alle Menschen in den Blick nehmen“, betonte Fermor. Dies umfasse viele Dimensionen wie Diakonie, wie Spiritualität, wie die Begleitung von Lebensabschnitten und Bildung. Aber auch zahlreiche Arbeitsgebiete wie Schule, Jugend, Kindergarten, Büchereien, Senioren und vieles mehr. „Alle Bereiche haben Teil an der Kommunikation des Evangeliums“, so der PTI-Leiter. Kirche müsse sich fragen, ob das, was an Papieren erarbeitet werde oder was sie derzeit tue, auch für die Menschen relevant sei. „Oder ist es nicht vielmehr so, dass viele Menschen die Beziehungen zur Kirche in ihrer jetzigen Form verloren haben?“, fragte er.

Kirche müsse daher eine Kirche in Bewegung sein, forderte er mit Nachdruck. „Wir müssen dahin gehen, wo Menschen sind“, verdeutlichte Gotthard Fermor. Er verwies auf eine aktuelle Studie, wonach sich bis 2060 die Zahl der Kirchenmitglieder halbiere. „Und dabei spielt nicht die demografische Entwicklung die entscheidende Rolle, sondern die zurückgehende Bindungskraft zwischen Menschen und Kirche“, so der PTI-Leiter. Dabei machte er deutlich: „Die Kirche ist als Institution relativ stabil, als Organisation aber sehr mit sich selbst beschäftigt und hat als Bewegung die größten Chancen, relevant zu sein.“

Es waren viele Impulse für die rund 70 Synodalen, aber auch für viele Gemeindepädagogen und ehrenamtliche Mitarbeiter, die dankbar aufgenommen wurden. Kirche müsse sich bewegen, auf die Menschen zugehen, ihnen zuhören und nicht nur Antworten geben, aber auch authentisch bleiben, so betonten viele Vertreter der Gemeinden in Bärenbach. Die Kreissynode hatte 2017 die Einführung eines solchen gemeindepädagogischen Dienstes im Kirchenkreis beschlossen. „Die Rahmenbedingungen stehen fest. Das haben wir jetzt mit Leben zu füllen und in den Regionen zu gestalten“, machte Superintendent Hans-Joachim Hermes deutlich.

Lob dafür gab es vom PTI. „Der Kirchenkreis Simmern-Trarbach hat hier schon vieles vorbildlich geleistet und bedacht. Hier wurde in der Tat bereits viel aufgebaut“, unterstrich Gotthard Fermor in Bärenbach. Gemeindepädagogik spiele schon seit 45 Jahren in der Gemeindearbeit eine Rolle. „Das war 1974 ein erster programmatischer Reaktionsversuch auf damalige Krisenwahrnehmungen. Doch es blieb eine Nische“, erläuterte der PTI-Leiter. Aber er machte auch deutlich: „Wir als Kirche sind jetzt aufgerufen, für Jahrzehnte zu denken.“ Und Christoph Pistorius, der Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, betonte vor der Kreissynode: „Wir müssen Bindungen schaffen zu den Menschen, das ist die Zukunft der Kirche.“


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