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Jugendlichen im Hunsrück alle Chancen bieten

Von: Dieter Junker

Treff-Mobil ist seit 40 Jahren im Hunsrück in der offenen Jugendarbeit tätig. Oft gab es Umbrüche und neue Herausforderungen.

Treff-Mobil 1998 an der evangelischen Kirche in Bell. Foto: Dieter Junker

Hunsrück. Seit 40 Jahren steht „Treff-Mobil“ für eine aufsuchende, offene Jugendarbeit im Hunsrück. Entstanden aus einem Modellprojekt des Bundes als Angebot für Hunsrücker Jugendliche in den Dörfern beim Aufbau und Betrieb von Jugendräumen, hat sich Treff-Mobil mittlerweile zu einem wichtigen Angebot in der Jugendarbeit für die Region entwickelt. Einer, der viele Jahre diese Arbeit begleitet hat, ist Bernd Mauerhof. Mehr als 30 Jahre war er für Treff-Mobil tätig.

„Damals wie heute gibt es einen Bedarf für eine mobile Jugendarbeit als Ergänzung zu der Jugendarbeit, die von Vereinen oder Organisationen angeboten wird“, sagt Bernd Mauerhof im Rückblick. Dennoch habe sich die Arbeit von Treff-Mobil in den 40 Jahren verändert, neue Schwerpunkte seien hinzugekommen, neue Aufgabenfelder und neue Themen.

Treff-Mobil, das war 1978 bei der Gründung ein vom Bund gefördertes Modellprojekt, um Jugendlichen Ansprechpartner zur Seite zu stellen, wenn sie Jugendräume gründen wollten oder es Probleme mit bestehenden Jugendräumen gab. „Damals veränderten sich die Dörfer, die prägende Landwirtschaft trat mehr und mehr in den Hintergrund, Gaststätten und Geschäfte schlossen, viele verließen die Dörfer, um Arbeit zu finden. In dieser Situation wollte Treff-Mobil den Jugendlichen Perspektiven aufzeigen“, erzählt Bernd Mauerhof. Er hatte Ende der 1970-er Jahre beim „Treffpunkt Simmern“ der Evangelischen Jugendbildungsstätte Kastellaun angefangen, aus dem sich das Jugendzentrum der Stadt Simmern entwickelte. Nach dessen Schließung wechselte Bernd Mauerhof 1986 zu Treff-Mobil.

In dieser Zeit entstanden viele Jugendräume in den Dörfern, Treff-Mobil war mit einem Wohnwagen unterwegs. „Wir wollten helfen, dass Jugendliche auch in den Dörfern noch Treffpunkte hatten. Aber wir wollten sie auch dazu befähigen, dass sie ihre Interessen gegenüber dem Bürgermeister, dem Gemeinderat und der Gemeinde artikulieren und durchsetzen konnten“, so Bernd Mauerhof. Es gab Filmabende, Volleyball-Turniere, aber auch Gesprächsrunden bei Problemen. „Wir waren immer wieder vor Ort“, erläutert er. 

Ende der 1980-er Jahre änderte sich die Arbeit von Treff-Mobil grundlegend. Mit dem Ende des Kalten Krieges zogen die Amerikaner ab, Russlanddeutsche kamen in den Hunsrück. Es entstand das Projekt „Jugendarbeit rund um den Flugplatz Hahn“. Dafür wurde Treff-Mobil personell auch aufgestockt mit einer zweiten Stelle. „Uns ging es darum, weiterhin für die einheimischen Jugendlichen da zu sein, gleichzeitig aber auch für viele junge Aussiedler Ansprechpartner zu werden. In außerschulischen Projekten wurden aber auch Begegnungen zwischen Einheimischen und Zugezogenen ermöglicht, die Midnight-Games in Sohren als Fußballturnier entstanden, es gab gegenseitige Besuche und Kontaktaufnahmen. 

Doch nicht nur der Zuzug von Jugendlichen aus der ehemaligen Sowjetunion änderte die Jugendarbeit, auch die Lebenswelt der Jugendlichen erlebte in dieser Zeit einen Wechsel. Viele Jugendliche verließen tagsüber zur Arbeit den Hunsrück, auch durch Ganztagsschulen waren viele junge Menschen nachmittags nicht mehr im Dorf. Durch diese Veränderungen habe das Dorf als unmittelbarer Lebensmittelpunkt der Jugendlichen seine Bedeutung verloren, gibt Mauerhof zu bedenken. „Auch wenn Treff-Mobil nach wie vor in Jugendräumen tätig ist, so waren nun mehr Projekte erforderlich, um die Jugendlichen zu erreichen. Dadurch rückte die Projektarbeit in den Vordergrund von Treff-Mobil“, so der Sozialpädagoge.

Und noch eine Entwicklung hatte massive Auswirkungen auf die Jugendarbeit: das Internet. „Das Handy, WhatsApp und Facebook gewinnen eine immer größere Bedeutung für die Jugendlichen, auch für Verabredungen oder für soziale Kontakte“, erläutert Bernd Mauerhof. Da werde dann über die sozialen Medien gefragt, wer denn in den Jugendraum gehe oder ob man sonst etwas machen wolle, und dann würden Treffen vereinbart. „So, wie früher, dass man einfach mal in den Jugendraum geht und sich dort trifft, das wird immer seltener“, meint der Sozialpädagoge. Heute sei eher die Region Lebensmittelpunkt für die Jugendlichen, weniger das eigene Dorf.

In den vergangenen beiden Jahren ist für Treff-Mobil noch ein weiteres, neues Betätigungsfeld hinzugekommen, die Arbeit mit jungen Flüchtlingen. „Es ist ein neues Kapitel. In zwei neu geschaffenen Treffpunkten ist Treff-Mobil für Flüchtlinge tätig“, so Mauerhof. Zwei FSJ´ler werden hier tätig. Es gibt zahlreiche neue Projekte zur Integration, vom Schwimmen über Kochen, Theater, Nachhilfe bis hin zur Ausbildungsbegleitung. „Es ist auch ein großes Experimentierfeld für die Jugendarbeit“, meint Bernd Mauerhof. 

40 Jahre ist Treff-Mobil nun ein Teil der offenen Jugendarbeit im Hunsrück. Mit nachhaltigen Projekten, mit Umbrüchen, mit wechselnden Herausforderungen. „Aber es ging und geht immer darum, dass Jugendliche, die hier leben, Chancen haben, ihr Leben zu gestalten und auch im ländlichen Raum Angebote vorfinden, die sie brauchen“, ist Bernd Mauerhof überzeugt. Für ihn endet diese Tätigkeit nun, er ist seit wenigen Wochen im Ruhestand. „Die Arbeit hat Spaß gemacht und ich bin mir sicher, dass diese offene Jugendarbeit auch weiterhin hier im Hunsrück gebraucht wird. Der Bedarf ist da“, so der Sozialpädagoge.


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