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Euch ist heute der Heiland geboren

Die Weihnachtsbotschaft des Superintendenten des Kirchenkreises Simmern-Trarbach, Pfarrer Hans-Joachim Hermes.

Superintendent Hans-Joachim Hermes. Foto: Werner Dupuis

Viele Wohnzimmer sind heute festlich geschmückt. Weihnachtsbaum und Kerzen gehören dazu. Das besondere des Heiligen Abends spiegelt sich mir insbesondere in der Gestaltung der Krippe. Ob selbst gebauter Holzstall mit frischem Moos und Stroh oder künstlerisch gestaltet im alpenländischen oder orientalischen Stil. Ob Holzfiguren aus Bethlehem oder Oberammergau oder gekauft im Kaufhaus. Oder, wie vor wenigen Tagen bei uns geschehen, von den Enkelkindern aus Legosteinen gebaut mir einem Jedi als Engel. Die Krippe und viele erinnerte Familiengeschichten rund um Weihnachten prägen den heutigen Abend.

Mancherorts wird zu Hause dann auch die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium (Kapitel 2)  gelesen. Hier heißt es als Botschaft der Engel: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr!“

Mich spricht immer das Wort „heute“ an. Heute, nicht: es war einmal. Heute, am 24. Dezember 2018. Mit einem Mal bekommen auch die Krippenfiguren andere Gesichter. Gesichter von heute.

Maria, das ist für mich die schwangere Frau, die junge Mutter, in der Beratungsstelle von Diakonie oder Caritas. „Wie soll ich das bloß schaffen ein Kind aufzuziehen bei meinen prekären Lebensverhältnissen. Welche Zukunft wird es haben?“ Josef, der neben der knieenden Maria fast immer stehend dargestellt wird, ist für mich einer der Männer, die hilflos sind angesichts dieser neuen Verantwortung. Was wird das bedeuten für ihren familiären, für ihren beruflichen Bereich? Geben sie dieses einfach an ihre Frau weiter und sie machen weiter wie bisher ihr Ding?

Die Hirten haben für mich die Gesichter von Menschen, die in vielen beruflichen Bereichen für uns wichtig, gar unverzichtbar sind. Als Dank dafür erhalten sie aber oft nur den Mindestlohn. Aber bei kulturellen Highlights und in der Medienöffentlichkeit kommen sie nur selten vor. Sie riechen ja manchmal auch nach Arbeit, nach Teer, nach Küche, nach Pflege – und bei Feiern tragen sie immer das gleiche Kleid.

Und dann kommen da auch noch Menschen anderer Religion aus dem Ausland. Sie wollen hier dankbar ein Wunder betrachten, das die Einheimischen nur am Rande wahrnehmen. „Es war einmal…“ Aber vielleicht kommen sie ja gar nicht bis zu uns, weil sie ja in Griechenland oder Italien zum ersten Mal den Fuß auf europäischen Boden gesetzt haben. Aber vielleicht gelten sie ja als besonders qualifizierte Arbeitskräfte. Und die werden ja gebraucht.

Wenn dann schließlich Maria und Josef sich mit dem Kind wenige Tage später auf die Flucht nach Ägypten begeben müssen, weil das Leben ihres Kindes bedroht ist, so unterscheidet sie auf einmal nichts mehr von tausenden Menschen überall auf der Welt auf der Suche nach einem sicheren Ort.

„Euch ist heute der Heiland geboren!“ Das sehe ich ganz aktuell in den Figuren unserer Weihnachtskrippe. Wen oder was mögen andere entdecken? Das kranke Familienmitglied? Die pflegebedürftigen Eltern? Das pubertierende Kind auf der Suche nach sich selbst? Vielleicht aber auch den Wohnungslosen am Bahnhof, den nach Arbeit suchenden 55jährigen? Manche mögen sich aber auch selbst in einer der Figuren wieder finden. 

Ihnen allen gilt die besondere, wunderbare Botschaft der Engel: „Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr!“ Gott selbst wird Mensch, mit Haut und Haaren. Heute will er uns nahe sein. Damit Friede werde auf Erden, für jeden Menschen, für die ganze Welt.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Weihnacht!


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