Sie sind hier:Geistlicher Impuls

Einziger Trost im Leben und im Sterben

„Ich bin ganz gewiss.“ So lauten die letzten Worte von Caspar Olevian, der heute vor 432 Jahren, am 15. März 1587, in Herborn gestorben ist. Er wurde zwar nur 50 Jahre alt, hat aber in seinem Leben einiges erlebt und sein Werk wirkt bis heute fort. Geboren wurde er 1536 in Trier. Beim Studium in Frankreich kam er in Berührung mit der Reformation und protestantischen Christinnen und Christen. Schließlich kehrte er 1559 mit den Ideen der Reformation in seine Geburtsstadt zurück, um hier eine protestantische Gemeinde zu gründen. Nach wenigen Monaten mussten er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter das Vorhaben aufgeben und die Stadt verlassen. Erst mehr als 250 Jahre später konnte wieder eine evangelische Gemeinde in Trier entstehen. 

Caspar Olevian ging zunächst nach Heidelberg. In der Kurpfalz war die Reformation wenige Jahre vorher eingeführt worden. Hier war Olevian an der Entstehung des Heidelberger Katechismus beteiligt, dessen erste Frage bestimmt viele von Ihnen kennen und einmal auswendig gelernt haben. „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. … Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, fortan ihm zu leben.“ Auch ich habe diese Frage als Konfirmandin auswendig gelernt, aber erst später verstanden, was sie bedeutet. Nämlich dass ich als Christin zuversichtlich und mutig durch das Leben gehen kann, weil Jesus Christus an meiner Seite ist und mich behütet. Eines anderen Eigentum sein, das mag für uns heute befremdlich klingen. Aber es ist eben kein Mensch, sondern Jesus Christus, dem wir gehören. Er hat uns freigemacht von anderen Mächten, die uns beherrschen wollen. Und gerade da, wo Menschen sich andere untertan machen wollen, macht er uns stark, dem zu widerstehen. 

Caspar Olevian wirkte später in Berleburg und Herborn. Bei einem Unfall auf Glatteis hatte er Ende 1586 schwere innere Verletzungen erlitten, die man damals nicht behandeln konnte. Schließlich lag er am 15. März 1587 im Sterben. Ein anwesender Pfarrer fragte ihn: „Seid ihr ohne Zweifel Eurer Seligkeit in Christus gewiss, gleich wie Ihr die andern gelehrt habt?“ Und er antwortete: „Certissimus sum“ – ich bin ganz gewiss. Im Vertrauen auf seinen Herrn Jesus Christus konnte er mit der Gewissheit leben und sterben, nicht verloren zu gehen, sondern gut aufgehoben zu sein. Christus möge auch uns, 432 Jahre später diese Gewissheit schenken. 

Sabine Keim
Pfarrerin