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„Verleih uns Frieden gnädiglich“

Zum Reformationsjubiläum gibt es eine Veranstaltungsreihe zum Thema „Reformation und Frieden“ im Kirchenkreis Simmern-Trarbach, die am 21. März im evangelischen Gemeindehaus in Bell startet. Das Motto der Reihe lautet: "Verleih uns Frieden gnädiglich".

"Verleih uns Frieden gnädiglich", so lautet das Motto einer Veranstaltungsreihe des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach im Rahmen des Reformationsjubiläums. Das Thema Frieden ist eng mit der Reformationsgeschichte verbunden. "Nicht mit Gewalt, sondern durch das Wort", so lautete ein frühes Motto der Reformation. Doch diese gewaltfreie Sicht hat die Reformation nicht lange durchgehalten. Vielmehr spielte Gewalt in den Folgejahren eine traurige Rolle, so in den Bauernkriegen oder bei den Verwerfungen der Täufer denkt. Heute orientiert sich die evangelische Friedensethik dagegen an den damals verurteilten Friedenskirchen. Dieses Spannungsfeld soll im Luther-Jahr im Kirchenkreis thematisiert werden.

Den Auftakt dazu macht der evangelische Theologe Professor Dr. Rolf Wischnath am Dienstag, 21. März, um 19:30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Bell. Mit seinem Vortrag "Von der Wahrscheinlichkeit, dass die Raketen das nächste Mal treffen" erinnert er dabei an die reformierte Friedenserklärung von 1982, die mit ihrem "Nein ohne jedes Ja" zu Massenvernichtungswaffen und der Erkenntnis, dass die Friedensfrage eine Bekenntnisfrage sei, heftige und kontroverse Diskussionen auslöste.

Rolf Wischnath, später Generalsuperintendent in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg und heute als Theologe an den Universitäten Bielefeld und Paderborn tätig, gehörte vor 35 Jahren als Mitglied des Leitungsgremiums des Reformierten Bundes zu den maßgeblichen Initiatoren dieser Erklärung. Und für ihn ist der damalige Text nach wie vor hochaktuell angesichts der weiterhin bestehenden Gefahr durch Atomwaffen, die auch in der Eifel noch lagern. Dazu will er in Bell sprechen.

"Kriegsspuren im Urlaubsland", so lautet das Thema eines Vortrags von Dr. J. Jakob Fehr am Dienstag, 28. März, um 19:30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Büchenbeuren. Jakob Fehr ist Geschäftsführer des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees und damit Vertreter einer der historischen Friedenskirchen. Die Mennoniten unterstützen seit mehreren Jahren ein Projekt zur Flüchtlingshilfe auf der griechischen Insel Lesbos, die eine Durchgangsstation für viele Flüchtlinge auf dem Weg von Syrien, Afghanistan und dem Irak nach Westeuropa ist. Jakob Fehr koordinierte die Freiwilligen, die dort Menschenrechts- und Friedensdienste leisten und wird in Büchenbeuren über die oftmals dramatische Situation auf dieser Insel, die Begegnungen mit den Menschen dort, aber auch die Fluchtursachen sprechen.

Zum Abschluss der Vortragsreihe "Verleih uns Frieden gnädiglich" wird Horst Scheffler, der Vorsitzende der "Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden" (AGDF), am Dienstag, 25. April, um 19:30 Uhr in der evangelischen Kirche in Gödenroth zum Thema "Zwischen Reformation und Widerstand: Theologische Überlegungen und ethische Konsequenzen für politisches Handeln" sprechen. Dabei wird es um die aktuelle evangelische Friedensethik in der heutigen Zeit gehen und die Frage, wie die evangelische Kirche sich heute auf den Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens machen könnte. Die AGDF ist ein evangelischer Friedensverband, dem insgesamt 32 Organisationen und Institutionen angehören, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Arbeitsprogrammen im In- und Ausland seit nunmehr fast 50 Jahren Friedensarbeit leisten.

Kirchberg, 10. März 2017