Ausschuss für Mission und Ökumene

Vorsitzende:

Beate Jöst
Bacharacher Straße 8
55494 Rheinböllen
Telefon: 06764-1275




Botswana-Partnerschaft - Seit über 20 Jahren auf einem gemeinsamen Weg

Einander kennen lernen, miteinander teilen, voneinander und miteinander lernen. Seit 22 Jahren steht dies im Mittelpunkt einer Partnerschaft zwischen den Protestanten im Hunsrück und an der Mosel und den evangelischen Christen im südlichen Afrika.

Seit 1983 gibt es diese Partnerschaft zwischen dem evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach und dem südwestlichen Kirchenkreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Botswana (ELCB). Sie ist eine Brücke zwischen den Kontinenten und den Menschen. Viele Freundschaften sind in dieser Zeit entstanden, gemeinsame Projekte wurden verwirklicht, zahlreiche Besuche haben die Beziehungen vertieft. Gerade die Frauen und die Jugendlichen haben in all den Jahren diese Partnerschaft immer wieder mit Leben erfüllt und dafür gesorgt, dass diese Partnerschaft lebendig blieb über die Jahrzehnte hinweg.
1982 war im Pfarrkonvent des Kirchenkreises Simmern-Trarbach die Idee entstanden, zu einer Partnerkirche der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) in Afrika partnerschaftliche Beziehungen aufzunehmen. Nach eingehenden Beratungen entschied sich die Kreissynode für Kontakte zu Botswana. Es folgten mehrere Gespräche mit der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche und ein Besuch des Superintendenten des südwestlichen Kirchenkreises von Botswana im Hunsrück. Der Ausschuss für Mission und Ökumene wurde gewählt, der bis auf den heutigen Tag die Zusammenarbeit mit der VEM und dem Partnerkirchenkreis im südlichen Afrika begleitet. Im Oktober 1983 schließlich fasste die Kreissynode des Kirchenkreises Simmern-Trarbach den einstimmigen Beschluss, mit diesem Kirchenkreis der ELCB eine Partnerschaft einzugehen.

Bereits 1984 folgte eine erste „Containeraktion“, bei der Hilfsgüter nach Botswana geschickt wurden. Ende November 1985 dann der erste offizielle Besuch aus Botswana im Kirchenkreis. Eine kleine Delegation mit Dean Nelson Lekutlane, dem dortigen Superintendenten, an der Spitze besuchte die Gemeinden im Hunsrück und an der Mosel. Dabei wurde das „Hereford-Projekt“ geboren, bei dem auf dem Gelände einer ehemaligen Farm in Botswana eine Missionsstation mit Kirche und Pfarrhaus sowie später auch eine Schule entstehen sollte.

Im Sommer 1986 besuchte dann erstmals eine Delegation aus dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach das südliche Afrika, ein Jahr später folgte die zweite Containeraktion. Die Jugend- und die Frauenarbeit standen 1988 im Mittelpunkt des Besuchsprogramms einer Gruppe aus Botswana. Auch der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Botswana stattete dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach 1991 einen Besuch ab.

1992, beim zweiten offiziellen Besuch des Kirchenkreises in Botswana, kam es zu einem Treffen mit Schwester Gertrud Konrad aus Wahlbach im Hunsrück, die seit vielen Jahren gemeinsam mit zwei weiteren Schwestern der Selbitzer Christusbruderschaft in Sehitwa in der dortigen Missionsstation und Klinik tätig war.

Stand zu Beginn der Partnerschaft die Frauenarbeit im Mittelpunkt, so kam Anfang der 90er Jahre die Jugendarbeit hinzu, die seitdem zu einem weiteren wichtigen Standbein der Partnerschaft zwischen dem Hunsrück und dem südlichen Afrika geworden ist. 1993 kam es zum ersten Jugendworkcamp in Botswana, wo sieben Jugendliche mithalfen, eine Kirche in Hereford zu bauen. 1999 weilten wiederum Jugendliche aus dem Kirchenkreis in Botswana. Aber auch Jugendliche aus dem südlichen Afrika besuchten mehrmals den Kirchenkreis und nahmen an Projekten im Hunsrück und an der Mosel teil. Derzeit sind wieder Jugendliche aus Botswana rund vier Wochen lang im Kirchenkreis Simmern-Trarbach, lernen das Land und die Gemeinden kennen, nehmen an Freizeiten teil und führen Gespräche mit Jugendlichen aus dem Kirchenkreis.

Viele Früchte hat diese über 20jährige Partnerschafts-Arbeit hervorgebracht, so beispielsweise das Zentrum für Frauenarbeit in Werda, das mittlerweile den Namen von Hilde Westermeyer, der damaligen Vorsitzenden der Hunsrücker Frauenhilfe, trägt. Oder Entwicklungsprojekte für die Menschen in Botswana, die Kirchen in Hereford und Kalkfontein sowie das Pfarrhaus in Werda. Der Sonntag Rogate wird in beiden Kirchenkreisen als Partnerschaftssonntag gefeiert, mit Gottesdiensten, die diese Partnerschaft zum Thema haben und darüber informieren. Auch wurde das 20jährige Jubiläum der Partnerschaft 2003 mit zahlreichen Veranstaltungen in beiden Kirchenkreisen wie auch mit einem Workcamp in Botswana gefeiert. 2003 wurde zudem der Partnerschaftsverein „Dumela“ gegründet, der die Kontakte zwischen den beiden Kirchenkreisen fördern und unterstützen soll. Dumela, das ist ein Wort aus der Landessprache Setswana und bedeutet „Hallo“.

Ein zentrales Thema der jüngeren Zeit ist AIDS. Botswana gehört zu den afrikanischen Ländern mit der höchsten Infektionsrate. Mit dramatischen Folgen für die Menschen. Beim Besuch einer Delegation aus dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach im Herbst 1997 wurde erstmals darüber gesprochen, im Frühjahr 2001 standen die Möglichkeiten einer AIDS-Prävention wie auch einer Hilfe im Mittelpunkt eines Besuchs des Pfarrerehepaars Lunkenheimer aus Kastellaun in Botswana. Bei dem Workcamp 2003 in Botswana wurde gemeinsam ein altes Lagerhaus in Kang zu einem Aids-Hilfe-Zentrum umgebaut.

Ein weiteres Problem der Partnerkirche im südlichen Afrika ist die Finanznot. An Pfarrer und Mitarbeiter können nur mit Mühe noch Gehälter ausgezahlt werden, worunter auch die Hilfsprojekte leiden. Die Kirche hat mittlerweile eine neue Kirchenleitung gewählt. Vieles ist derzeit aber eher ungewiss. Auch dies wird Thema sein bei den Gesprächen während des diesjährigen Workcamps im Kirchenkreis Simmern-Trarbach.

Die Partnerschaft zwischen Simmern-Trarbach und Botswana - für beide Seiten waren dies auch immer wieder wichtige Impulse. „Vom anfänglichen Enthusiasmus sind wir schnell auf den Boden nüchterner Realität gestellt worden“, meinte 2003 beim 20jährigen Jubiläum der frühere Horner Pfarrer Peter Völzing, 1983 Synodalbeauftragter für Weltmission und einer der „Väter“ dieses Kontaktes zwischen den beiden Kirchenkreisen. Eine solche Partnerschaft sei ein langer und mühevoller Weg, betont er, nicht ohne hinzuzufügen: „Aber es ist auch ein schöner, verheißungsvoller Weg, den wir miteinander gehen.“ Und den beide Kirchenkreise auch weiterhin miteinander gehen wollen.

Dieter Junker