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„Was Luther begann, hat Springer beendet“

Von: Dieter Junker

Satirisch-bissiges Kirchenkabarett "Viva la Reformation!" mit Pfarrer Ingmar Maybach in der Friedenskirche in Kirchberg begeistert die Zuhörer.

Pfarrer Maybach als Schlagersänger "Ingmar Gildo Alexander". Foto: Dieter Junker

Kirchberg. Wenn der Pfarrer unter Beifall in die Kirche einzieht und die ersten Reihen abklatscht oder wenn aus Psalmen und Bibelversen ein neuer Schlager entsteht, dann ist satirisch-bissiges Kirchenkabarett angesagt mit dem genialen Pfarrer Maybach, mit dem Besten der bundesweiten CSU, der „Christlich-Satirischen Unterhaltung“, im Jahr des Reformationsjubiläums getreu dem Motto „Viva la Reformation!“

Was hat die Reformation nicht alles gebracht? Beispielsweise das Priestertum aller Gläubigen. „Wir sind alle Priester, ja, wir sind quasi alle Papst“, meinte Ingmar Maybach. Das habe die Bild-Zeitung nach der Wahl von Benedikt schon richtig erkannt: „Was Luther begann, hat Springer beendet.

Auch gebe es bei den Protestanten kein Ehesakrament mehr. Dafür sorge die Hochzeitsvorbereitung für genügend Aufregung, meinte Maybach und schilderte ein diesbezügliches bürgerliches Drama in drei Akten, mit einer Braut zwischen Heidi Klum auf Speed und einem Duracell-Häschen in Weiß. „Da hat man als Pfarrer dann manchmal doch lieber zwei Beerdigungen als eine Hochzeit“, klagte der Kabarettist.

Überhaupt der Pfarrer. „Nicht ohne Pastor“, heiße es in vielen Gemeinden. Darum müsste der Pfarrer bei den Jugendlichen genauso auftauchen wie beim „Weißkopf-Geschwader“, also der Frauenhilfe. Und auch dann, wenn der Pfarrer eigentlich grübelnd über der Predigt sitzt („Heute ist es wie verhext, mir fällt nichts ein zum Predigttext“). Oder wenn aus den Abkündigungen am Ende des Gottesdienstes ein „Gemeindegliederströmungsfilm“ wird, als Infotainment ganz im Stil der TV-Nachrichten.

Die Reformation habe die Bedeutung der Musik erkannt. Und wenn Deutschland wiederholt beim Eurovision Song Contest kläglich versage, dann müsse die Kirche helfen, folgerte Pfarrer Maybach und kreierte als Schlagersänger „Ingmar Gildo Alexander“ kurzerhand aus dem Hohelied der Liebe, den Psalmen und dem Alten Testament einen potenziellen Hit „Nun aber bleiben Glaube, Liebe und die Hoffnung“, musikalisch genial unterstützt von der „Wartburg-Band“. Damit es bald wieder 12 Punkte für Deutschland gibt. Die Zuhörer in Kirchberg waren davon überzeugt.

Und dass in den Chorälen von Paul Gerhardt nicht nur theologische Fragen, sondern auch tiefenpsychologische Aspekte eine Rolle spielen, das zeigte Pfarrer Maybach sehr zur Freude der Zuhörer mit einer ganz neuen Variante des bekannten Kirchenschlagers „Geh aus mein Herz und suche (Siegmund) Freud...“

Seit 1999 ist der hessische Pfarrer Ingmar Maybach als Kabarettist auf vielen Bühnen unterwegs mit einem humoristischen Brückenschlag zwischen Politik und Religion, begleitet mit Orgel, Klavier und Akkordeon, mit Paul Gerhardt und Johann Sebastian Bach. Es ist ein großer Spaß, ihm zuzuhören und ihn zu erleben. So auch in der Friedenskirche in Kirchberg, wo er mit seinem Programm gastierte und die Zuhörer begeisterte. 


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