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Cafeterra in Kastellaun eröffnet

Von: Dieter Junker

In Kastellaun wurde eine neue Begegnungsstätte für Flüchtlinge eröffnet, das Cafeterra. Es ist eine gemeinsame Initiative von Kommune und den beiden Kirchen.

Das Cafeterra in Kastellaun wurde eröffnet. Foto: Dieter Junker

Kastellaun. Matchide Marius ist vor acht Monaten aus Zentralafrika geflohen. Der 32-jährige Logistiker hat in Kastellaun eine neue Heimat gefunden, doch musste er seine Frau und seine Kinder in dem Bürgerkriegsland zurücklassen. Der 32-jährige Farzad Abdulkarim ist Arzt. Er floh vor dem Bürgerkrieg aus Syrien und lebt nun auch in der Verbandsgemeinde Kastellaun. „Hier habe ich wieder Sicherheit gefunden, hier kann ich wieder normal leben“, erzählt er.

Es sind Menschen wie diese beiden Flüchtlinge, für die es künftig in Kastellaun das „Cafeterra“ gibt, ein Ort der Begegnung und eine Anlaufstelle für Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind und nun im Hunsrück angekommen sind und hier leben. Am Sonntag wurde das Begegnungscafé in Kastellaun offiziell eröffnet.

„Es geht hier um Menschen, die in unser friedliches Land gekommen sind aus schierer Not, die meisten mit nicht mehr Gepäck als ihrer Kleidung am Körper, ohne Kenntnisse unserer Sprache oder Kultur“, sagt Christian Keimer, der Bürgermeister der Stadt und der Verbandsgemeinde Kastellaun. Diese Menschen würden hier glücklicherweise auf eine riesige Welle der Hilfsbereitschaft treffen. „Es sind viele Menschen, die ehrenamtlich oder durch Spenden helfen, damit diese Menschen den Alltag in einem für sie fremden Land bewältigen können“, so Keimer.

Das „Cafeterra“ ist eine gemeinsame Initiative von Stadt, Verbandsgemeinde und den beiden großen Kirchen in der Region, wird aber auch unterstützt von der Evangelischen Kirche im Rheinland und dem Bistum Trier, sowie mit finanziert von vielen Spendern aus der Verbandsgemeinde Kastellaun. Derzeit leben 43 Flüchtlinge in der Verbandsgemeinde Kastellaun, vor allem in Buch, Mastershausen und der Stadt Kastellaun. Die Zahlen im Kreis sind derzeit steigend. 2013 waren es 156 Flüchtlinge, 2014 kamen 267 Flüchtlinge in den Kreis, für dieses Jahr rechnet die Kreisverwaltung mit 400 bis 500 Menschen.

„Die Flüchtlingshilfe ist eine große Herausforderung für uns Christen“, betonte Stephanie Nickels von der Koordinierungsstelle Flüchtlinge im Trierer Bischöflichen Generalvikariat in Kastellaun. Hier gehe es darum, die Botschaft Christi ernst zu nehmen und Menschen in Not zu helfen. Eine Position, die auch die evangelische Kirche vorbehaltlos unterstützen kann. „Wir haben die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass Flüchtlinge hier willkommen sind“, so Horst Hörpel, der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach. Das „Cafeterra“ biete eine Möglichkeit für die Flüchtlinge, rauszukommen aus ihren Wohnungen und mit Menschen zu reden. Dabei lobte der Superintendent dieses Projekt ausdrücklich: „Es ist eine Initiative, die sicher auch für andere Verbandsgemeinden im Kreis Vorbild sein kann.“

Worte, die der scheidende Landrat Bertram Fleck gerne aufgriff. „Anfang der 90-er Jahre kamen bereits 16.000 Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns und haben hier ein Stück Heimat gefunden“, verwies er auf bestehende gute Integrationserfahrungen im Hunsrück. Nun gelte es heute, Menschen zu helfen, die hier Schutz vor Terror und Verfolgung suchen würden. „Das neue Begegnungscafe könnte zu einem Gehäichnis werden, wo die Menschen Geborgenheit finden“, hofft er.

Nach dem „Café Intern@tional“ in Büchenbeuren, wo sich schon seit einiger Zeit katholische und evangelische Christen für die Integration von Flüchtlingen engagieren, ist das „Cafeterra“ nun die zweite Einrichtung dieser Art im Rhein-Hunsrück-Kreis. Und die positiven Erlebnisse aus Büchenbeuren lassen die Verantwortlichen hoffen, dass auch in Kastellaun eine ähnliche Anlaufstelle entsteht. „Wenn wir bedenken, wie viele Flüchtlinge in Jordanien oder dem Libanon leben, dann müsste es für uns doch einfach sein, hier in Deutschland Flüchtlinge aufzunehmen“, gab Pastoralreferentin Anna Werle zu bedenken. Doch sie ist, nicht zuletzt durch die Erfahrungen in Büchenbeuren, auch überzeugt: „Wir werden das auch hier packen.“


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