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Reformationsjubiläum im Zeichen der Ökumene

Von: Dieter Junker

Mit einem großen, bunten Kreiskirchentag in Simmern ist das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Simmern-Trarbach zu Ende gegangen. Viele Menschen waren dazu am Reformationstag nach Simmern gekommen.

Mit einem Austausch von Bibeln setzten die Vertreter christlicher Konfessionen bei einer Menschenkette zwischen evangelischer und katholischer Kirche ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit. Foto: Dieter Junker

Simmern. Ganz im Zeichen der Ökumene und der Verbundenheit der christlichen Konfessionen feierte der evangelische Kirchenkreis Simmern-Trarbach am Reformationstag in Simmern einen großen Kreiskirchentag, 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Martin Luthers. Mit einem bunten, vielfältigen Programm und vielen Menschen. Und dem Motto „Aus Liebe zur Wahrheit“.

„Aus Liebe zur Wahrheit“, so beginnen die Thesen Martin Luthers. „Am Anfang steht die Liebe, die Liebe zur Wahrheit“, betonte Superintendent Horst Hörpel im Festgottesdienst in der völlig überfüllten Stephanskirche. „Und auf diesem Kirchentag wollen wir darum der Frage nach der Wahrheit nachgehen“, meinte die Simmerner Pfarrerin Heike Perras vom Vorbereitungsteam des Kreiskirchentags. 

Die Wahrheit sei ein gemeinsamer Weg, „mit allen, die an Christus glauben“, unterstrich der Superintendent. Darum sei es auch richtig, diesen Reformationstag nicht allein evangelisch, sondern in ökumenischer Weite zu feiern. „Im himmlischen Jerusalem wird es keine Konfessionen mehr geben. Darum ist es gut, dass wir schon jetzt damit anfangen, gemeinsam den Weg mit Christus zu gehen“, machte Horst Hörpel deutlich. Deshalb brauche es Begegnungen, den Austausch von Gedanken, Gesprächsmöglichkeiten und mehr Miteinander. Und darum freue er sich, dass die anderen Konfessionen die Einladung zu einem gemeinsamen Christusfest am Reformationsjubiläum angenommen hätten.

Und in der Tat bestimmte die Ökumene das Bild dieses Kreiskirchentags in Simmern. So gab es nach dem Gottesdienst als ein öffentliches Zeichen der Verbundenheit eine Menschenkette zwischen der evangelischen Stephans- und der katholischen Josefskirche, bei der Bibeln ausgetauscht wurden. Auch die Moscheengemeinde öffnete ihre Türen, lud die Kirchentagsbesucher zum Gespräch ein. „Es ist gut, dass wir diesen besonderen Reformationstag nicht in einer konfessionellen Nische feiern, sondern uns öffnen, uns gegenseitig von unseren unterschiedlichen Glaubenserfahrungen erzählen und uns auch hinterfragen lassen“, so der Superintendent. Die Kirchenspaltung habe viel Leid verursacht. „Daher sind wir dankbar, dass wir dieses Jubiläum diesmal gemeinsam feiern“, unterstrich Pfarrerin Heike Perras.

Es habe in diesem Reformationsjubiläum viele wertvolle Begegnungen gegeben, bekannte Dr. Jochen Wagner, Pastor der Freien Evangelischen Gemeinde Kirchberg und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Südwest. „Das Miteinander ist auf dem Hunsrück gewachsen und die Konfessionen sind einen Schritt aufeinander zugegangen“, betonte er in Simmern. Und Ludwig Krag, der Dechant des römisch-katholischen Dekanates Simmern-Kastellaun, betonte: „Dieses Reformationsjahr war ein Christusfest und wir sind alle in dem verbunden, der die Mitte unseres Lebens ist: Jesus Christus.“

„Die Wahrheit will frei machen und die Angst nehmen“, machte Horst Hörpel klar. Dies sei in einer Zeit, in der mit Angst Politik gemacht werde, wichtig. „Die Ängste vor Verarmung, vor Terror, vor Kriegen sind ernst zu nehmen, aber diese Ängste zu instrumentalisieren, das ist Missbrauch“, mahnte der Superintendent. Es sei auch Aufgabe der Kirche, Nein zu sagen zu den Mächten des Todes, die Lügen nicht zuzulassen  und Ängsten und Angstmachern die Stirn zu bieten, unterstrich Hörpel.

„Ist die Wahrheit noch zu retten?“, so fragten die Teilnehmer an einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in der katholischen Familienbildungsstätte. Eine aktuelle Fragestellung angesichts der Wahlerfolge von Populisten, der Diskussionen um die AfD oder Fake-News. „Wir brauchen heute Menschen, die nicht gleich jeder Botschaft nachlaufen, sondern die ein starkes Selbstgefühl haben und aufrecht durchs Leben gehen“, betonte Professor Dr. Gerhard Wegner vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD. Und Spiegel-Redakteurin Melanie Amann bedauerte, dass es in den Diskussionen oft mehr um Angst und Gefühle als um Fakten gehen würde. „Wichtig ist auch, dass die Politik die Menschen anders ansprechen“, so die Journalistin. Der Rheinböllener Lehrer Torsten Brittnacher beschrieb anschaulich, wie sich angesichts der veränderten Medienlandschaften Jugendliche informieren. Und der Beauftragte der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz, Dr. Thomas Posern, bedauerte, dass die Politik manche Politikfelder wie die Sozialpolitik vernachlässigt habe, die jetzt von Populisten besetzt würden.